Fragen und Antworten

In dieser Rubrik versuchen wir einige häufig gestellte Fragen zu beantworten. Wenn Ihr hier nicht fündig werdet, schreibt einfach eine E-Mail an info@bonntango.de.

Was ist Argentinischer Tango?
Welche Voraussetzungen muss man mitbringen um Argentinischen Tango zu lernen?
Wie finde ich als Anfänger eine(n) Tanzpartner(in) für einen Kurs oder Workshop?
Tango tanzen? Ich?
Brauche ich spezielle Schuhe für den Kurs?
Ist Tanzen überhaupt gesetzlich erlaubt?
Was sagt die Kirche zum Tanz?
Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?
Welche Musik eignet sich zum Üben?

Was ist Argentinischer Tango?

  1. Der Argentinische Tango ist ein Paartanz, der Ende des 19. Jahrhunderts in ärmlichen Verhältnissen in den Vororten von Buenos Aires entstand, mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts den Sprung nach Paris und Berlin schaffte und schließlich in den 20er und 30er Jahren eine erste große Tangowelle in Europa auslöste, die durch den Krieg jäh beendet wurde. Andere Musik- und Tanzrichtungen drängten den Argentinischen Tango als Tanz schließlich auch in Argentinien zurück, so dass sich ab etwa 1960 kaum mehr Nachwuchs für den Tango fand. Erst mit dem Ende der argentinischen Diktatur und wohl ausgelöst durch eine Tangoshow, die damals um die Welt tourte, begann Mitte der 80er Jahre erneut zunächst in Europa, später auch in Argentinien, das Interesse am Tango wieder zu erwachen. Mittlerweile ist daraus eine zweite große Tangowelle entstanden, die nach und nach immer mehr Städte erfasst. Inzwischen kann man Tango in fast allen größeren Städten tanzen, von Istanbul (Türkei) bis Trondheim (Norwegen), aber auch in Tokio (Japan) oder Katmandu (Nepal). In Bonn wurde der erste Tangoabend 1997 im Café Pauke eröffnet. Im Bereich Bonn-Köln-Ruhrgebiet werden zur Zeit jeden Monat etwa 150 Tangotanzabende angeboten. Zum Vergleich: In Buenos Aires - mit 14 Millionen Einwohnern vergleichbar groß - gibt es über 500 Tangotanzabende pro Monat!
  2. Getanzt wird der Argentinische Tango gewöhnlich in speziellen Tangosalons ("Milongas", nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Musikrichtung), in denen traditionell drei verschiedene Arten von Tanzmusik gespielt werden: Tango, Milonga und Vals. Obwohl ein erfahrener Tänzer diese Musikrichtungen unterschiedlich in Bewegung umsetzen wird, so bleibt die grundlegende Technik doch dieselbe. Man lernt deshalb nicht drei verschiedene Tänze, sondern nur eine Tanztechnik, die man je nach Bedarf an die Musik anpasst.
  3. Der Argentinische Tango kennt keine festen oder verabredeten Schrittfolgen, grundsätzlich wird jeder einzelne Schritt geführt. Diese starke Betonung der Improvisation erfordert von den Tanzenden ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, bietet dafür aber das unvergleichliche Erlebnis einer höchst abwechlungsreichen und intensiven nonverbalen Kommunikation. Im Idealfall erreicht man eine Verschmelzung der Bewegung, die einmal als "Körper mit vier Beinen" umschrieben worden ist. Durch die fehlende Festlegung auf feste Schrittmuster ist es einem Tangotänzer auch problemlos möglich, tausende Kilometer von seinem Heimatort entfernt eine ihm unbekannte Tangotänzerin aufzufordern und mit ihr zu tanzen.
  4. Seit kurzem ist es auch amtlich, dass Tango etwas Besonderes ist: Am 30.September 2009 hat die UNESCO den südamerikanischen Tango offiziell als Weltkulturerbe anerkannt!
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Welche Voraussetzungen muss man mitbringen um Argentinischen Tango zu lernen?

  1. Zwei Beine genügen. Wenn man schon Erfahrung in anderen Tänzen gesammelt hat, ist dies zwar in der Regel von Vorteil, nötig ist es jedoch nicht. Tatsächlich gibt es viele gute Tangotänzer, die nie einen anderen Tanz kennengelernt haben.
  2. Keine sportlichen Leistungen nötig. Tango kann spritzig oder romantisch, dynamisch oder ruhig fließend, dramatisch oder beiläufig getanzt werden. Die Art des Tanzes richtet sich nach den persönlichen Vorlieben der Tänzer, nach der Musik oder der momentanen Stimmung. Die meisten Tangotänzer würden ihren Tanz nicht als Sport bezeichnen.
  3. Keine Altersbeschränkung. Tango richtet sich nicht an eine bestimmte Altersgruppe. Über 70-jährige tanzen Tango ebenso begeistert wie Studenten. Die jüngste Tangotänzerin in Bonn war 10 Jahre alt. In Buenos Aires findet man selbst 95-jährige aktive Tangotänzer. Bestes Beispiel ist Carmencita Calderón (10.2.1905-31.10.2005), die letzte Tanzpartnerin des legendären "El Cachafaz", des wohl berühmtesten Tangotänzers in den 40er und 50er Jahren, die bis kurz vor ihrem Tod noch auf der Bühne auftrat. Auf YouTube findet Ihr ein Video von ihrem 100.Geburtstag - natürlich mit Tanz.
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Wie finde ich als Anfänger eine(n) Tanzpartner(in) für einen Kurs oder Workshop?

  1. Unter der Rubrik Tanzpartner nachschauen. Dort findet Ihr eine (Tango-)Tanzpartnersuche vor allem für den Bonner Raum. Wenn Ihr nicht direkt eine passende Anzeige findet, schreibt uns eine E-Mail mit Eueren Daten und Angaben zu dem gewünschtem Kurs oder Workshop. Wir fügen dann eine entsprechende Suchnotiz ein. Die Erfolgsquote ist, auch wenn das Geschlechterverhältnis bei den Anzeigen meist unausgewogen ist, relativ hoch!
  2. Im Bekanntenkreis Leute motivieren und zu den ersten Schritten in die Pauke mitbringen. Die ersten Schritte sind in der Regel jeden 1.+3. Donnerstag 20-21 Uhr (Café Pauke) - vorsichtshalber auf der Startseite bzw. dem Kalender nachschauen.
  3. Falls Ihr damit nicht erfolgreich seid, einfach alleine zu den ersten Schritten kommen. Die Chance, dort auf einen Anfänger des anderen Geschlechts zu treffen sind relativ gut.
  4. Wenn alles nicht hilft, könnt Ihr auf gut Glück zur ersten Kursstunde vorbeikommen. Auf diesem Wege haben sich auch bereits Tanzpaare gefunden (Das klappt in der Regel aber nur bei Kursen, nicht bei Workshops!).
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Tango tanzen? Ich?

  1. Ist Tango überhaupt etwas für mich? Einfach zu den ersten Schritten vorbeikommen und ausprobieren. Erste Schritte gibt z.B. jeden 1.+3. Donnerstag 20:00-21:00 im Monat im Café Pauke - vorsichtshalber auf unseren Tanzkalender schauen. Zu den ersten Schritten könnt Ihr übrigens auch alleine vorbeikommen. Adressen unter Tangosalons.
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Brauche ich spezielle Schuhe für den Kurs?

  1. In den ersten Kursstunden genügen in der Regel einfach bequeme Schuhe, die nicht abfärben. Auf Dauer sollte man sich jedoch unbedingt Schuhe zulegen, auf denen man gut drehen kann. Gummisohlen sollte man vermeiden.
  2. Gut geeignet sind gewöhnliche Tanzschuhe mit Chromledersohle. Tanzschuhläden findet Ihr unter der Rubrik Links+Adressen.
  3. Als Alternative kann man sich auch ein altes Paar Schuhe, in denen man sich wohl fühlt, beim Schuster mit Chromledersohle besohlen lassen (das klappt sogar mit Turnschuhen).
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Ist Tanzen überhaupt gesetzlich erlaubt?

  1. Glücklicherweise ja - jedenfalls zur Zeit noch - sofern es nicht verboten ist. Schon der preußische Kaiser Wilhelm II (am 20.11.1913) wie auch der bayerische König Ludwig III habe ihren Offizieren das Tangotanzen in Uniform verboten: Nach Sachverständigenurteil ist der Tango "mehr ein sinnliches Reizmittel als ein Tanz" (Königlich Bayerische Polizeidirektion München (1914)). Und: "Diese Tänze verletzen das Sittlichkeitsgefühl, weil die Tänzerin dabei häufig die Beine seitwärts so abspreizt, daß man die Unterkleider und die Strümpfe sieht" (Königlich Sächsische Polizeidirektion Dresden (1913). Aber - man glaubt es kaum - auch heutzutage kann ein Bußgeld kassieren, wer zur falschen Zeit oder am falschen Ort tanzt!
  2. Nach §7 der Neufassung des Gesetzes über die Sonn- und Feiertage in Nordrhein-Westfalen vom 23.April 1989 ist öffentlicher Tanz zwischen Gründonnerstag 18:00 und dem darauf folgenden Samstag 6:00 verboten, dasselbe gilt für den 24.12. ab 16:00. Wer trotzdem tanzt, kann mit einem Bußgeld belegt werden. Wer das für einen Scherz hält, dem sei gesagt, dass das Ordnungsamt bereits Tangotanzabende (an Gründonnerstag) unter Hinweis auf dieses Gesetz geschlossen hat. Bemerkenswerterweise können nach §10 desselben Gesetzes Ausnahmen beim Vorliegen eines dringenden Bedürfnisses (was auch immer das sein mag) zugelassen werden...
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Was sagt die Kirche zum Tanz?

  1. Ein bekanntes Zitat, welches (fälschlicherweise) dem heiligen Augustinus zugeschrieben wird, lautet: "Ich lobe den Tanz. O Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen!". Tatsächlich war Augustinus Haltung zum Tanz ambivalent, er schätzte den künstlerischen Aspekt, der sinnlich/erotische Anteil war ihm wohl eher suspekt.
  2. Im Zuge der ersten Tangowelle in Europa (besonders in Paris und Berlin) wurde der Tango zunächst sehr kritisch beäugt. Es heißt, Papst Pius X. habe sich am 7.2.1914 persönlich einen Tango in Rom vortanzen lassen - und sich gegen ein Verbot entschieden. Der Kardinal-Vikar von Rom war daraufhin außer sich: "Es ist unerhört, daß dieser schamlose, heidnische Tanz, der ein Attentat auf das Familien- und Gesellschaftsleben bedeutet, sogar in der Residenz des Papstes getanzt wird!". Spätestens seit 2013 mit Papst Franziskus ein Argentinier mit Tangotanzerfahrung ("Den Tango liebe ich sehr. Dies ist etwas, das von innen kommt") das Amt innehat, dürfte sich die Lage entspannt haben :-)
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Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?

  • Eindeutig ja. Tangotanzen macht süchtig!
  • In schweren Fällen kann es zu chronischem Schlafmangel kommen.
  • Im allgemeinen wird das Tanzen von den Ärzten als sehr gesund angesehen. Bei falscher Bewegungstechnik in Verbindung mit stumpfem Boden kann man allerdings auf Dauer Probleme mit dem Kniegelenk bekommen. Auch hohe Absätze sind nicht für jeden Fuß geeignet und können bei häufigem Tragen zu Fußschäden bzw. Problemen mit der Wirbelsäule führen (hohe Absätze verstärken das Hohlkreuz).
  • In den letzten Jahren gab es immer wieder Untersuchungen über den positiven Einfluß des Tanzens auf das Gehirn. Siehe z.B. Artikel im Bild der Wissenschaft Tanzen macht schlau
  • ...und hier noch ein Artikel zu den Auswirkungen auf den Hormonhaushalt...
    Informationsdienst Wissenschaft
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Welche Musik eignet sich zum Üben?

Die Auswahl an CDs mit klassischem argentinischen Tangos ist in den meisten Läden hierzulande nicht allzu groß. Unter Links und Adressen findet Ihr deshalb 2 Links zum Reinhören bzw. Bestellen. Für eine erste Orientierung hier einige bekannte Tangomusiker mit Tangoorchester (in Argentinien üblicherweise als "Orquesta típica" bezeichnet), die zu den absoluten Klassikern gehören. Die Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig, zur besseren Einordnung sind (ungefähr) die jeweils aktivsten Jahrzehnte angegeben.

  • Francisco Canaro, "Pirincho", Musiker der "Guardia vieja" (alte Garde, d.h. sehr ursprünglicher Tango), 20er, 30er Jahre.
  • Rodolfo Alberto Biagi, 20er, 30er, 40er Jahre.
  • Juan D´Arienzo, wegen seines klaren Rhythmus auch "El rey del compás" (König des Taktschlags) genannt. 30er, 40er Jahre.
  • Carlos Di Sarli, "El señor del tango", 30er, 40er, 50er Jahre.
  • Osvaldo Pugliese, einer der besten Tangopianisten überhaupt. Bekannt für verwickelte und dramatische Tangos. 30er bis 60er Jahre.
Natürlich gibt es auch heute noch Orchester, die vorwiegend den klassischen Stil pflegen, u.a.
  • Sexteto mayor, seit 1972.
  • Orquesta Color Tango, seit 1988 (im Stil von Osvaldo Pugliese).
Eine Ausnahmeerscheinung ist
  • Astor Piazzolla, 50er, 60er, 70er Jahre.
der musikalisch zum ersten Mal drastisch neue Wege im Tango beschritt (avantgardistischer Tango) und sich damit in seiner Heimat nicht viele Freunde machte, im Ausland jedoch großen Erfolg hatte. Seine Tangos werden nur selten zum Tanz aufgelegt (und wurden wohl auch nicht für Tangotänzer geschrieben).

Seit den 90er Jahren sind mit dem Aufkommen der Computer auch Tangobands mit ganz neuartigen Klängen zu hören (Tango Nuevo). Hier vier der bekanntesten:
  • Gotan project, die erste Band, die vollständig auf elektronische Klänge setzte.
  • Narcotango, zu Gast beim 1.+7.Bonner Tangofestival im Mai 2007/2013, dynamisch und trotzdem sanft, siehe Festival 2007.
  • Otros Aires, zu Gast beim 2.,5. und 6.Bonner Tangofestival im Mai 2008/2011/2012, peppt gekonnt klassische Tangos mit elektronischem Sound auf, siehe z.B. Festival 2008.
  • Tanghetto, zu Gast beim 7.Bonner Tangofestival im Mai 2013, dynamischer Elektrotango.
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